Methodik

So wird gerechnet

Der Rechner ist keine Blackbox. Auf dieser Seite steht, mit welchen Annahmen er arbeitet, wie er Monat für Monat vorgeht, wie Steuern und Verkaufsreihenfolge einfließen — und was er bewusst weglässt.

Das Wichtigste in Kürze#

  • Der Rechner ist eine Modellrechnung, keine Prognose: Er zeigt, was passieren würde, wenn deine Annahmen zuträfen.
  • Bei fester Rendite wird in Monatsschritten mit festen Werten für Rendite, Inflation und Einkommensdynamik gerechnet — alle sind Vorschläge und von dir änderbar. Die Risikosimulation, auf dem Bildschirm Schwankende Rendite, zieht 4.000 Pfade. Die getippte Rendite und die getippte Inflation sind die Wachstumsraten des Medianpfads, nicht der Erwartungswert eines Jahres. Die Volatilität streut die Monate darum und verschiebt diesen Median nicht.
  • Deine Ausgaben leitet der Rechner aus Nettoeinkommen minus Sparrate ab und schreibt sie mit der Inflation fort — auch in der Entnahmephase.
  • Steuer fällt nur auf den Gewinnanteil einer Entnahme an, und die ältesten Anteile werden zuerst verkauft — deshalb ist die Steuerlast am Anfang am höchsten.
  • Wie viel Vermögen du brauchst, hängt vom Entnahmemodus ab: erhalten, planmäßig aufbrauchen oder mit fester Rate entnehmen.
  • Nicht enthalten sind unter anderem Kranken- und Pflegeversicherung, gesetzliche Rente, Immobilien und künftige Steuerrechtsänderungen.

01

Was dieser Rechner nicht kann#

Alle Ergebnisse beruhen auf Annahmen. Sie sind keine Prognose, sondern eine Modellrechnung: Sie zeigen, was passieren würde, wenn die Annahmen zuträfen.

Märkte und das Leben verlaufen nicht gleichmäßig#

Bei fester Rendite, Inflation und Einkommensdynamik wird ein ruhiger Verlauf unterstellt. Im echten Leben gibt es gute und schlechte Jahre, und wann sie kommen, beeinflusst das Ergebnis erheblich. Die Risikosimulation — auf dem Bildschirm Schwankende Rendite — rechnet deshalb 4.000 Verläufe. Sie zeigt Perzentilbänder, das Alter, bis zu dem die Hälfte aller Pfade FIRE erreicht hat, und unter den Pfaden mit FIRE den Anteil, der bis zum Endalter reicht. Auch das bleibt eine Modellrechnung, keine Prognose. Historische Börsenpfade sind darin nicht enthalten. Die Mittellinie eines Charts ist das Perzentil eines Jahres, kein einzelner Pfad.

Nicht alles ist berücksichtigt#

Die Rechnung ist bewusst vereinfacht. Nicht enthalten sind unter anderem:

  • Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Sie fallen auch im Ruhestand an, oft in anderer Höhe als heute, und stecken nicht in deinen heutigen Ausgaben.
  • Ansprüche aus der gesetzlichen Rente
  • Einkommen aus Immobilien
  • Anlageformen wie Rürup, Riester oder das Altersvorsorgedepot
  • künftige Änderungen im Steuerrecht

Gerechnet wird derzeit mit einem einzigen Depot. Portfolios aus mehreren Anlageklassen, die regelmäßig umgeschichtet werden, sind noch nicht abgebildet.

Auch innerhalb des Modells gibt es Vereinfachungen, vor allem bei der Steuer. Sie sind im Abschnitt So rechnet der Rechner beschrieben.

Orientierung, keine Empfehlung#

Dies ist keine Steuer-, Anlage- oder Finanzberatung. Der Rechner soll eine Orientierung geben. Für Entscheidungen, die dein Leben verändern, ist er der Ausgangspunkt, nicht die Antwort.

02

Was der Rechner über die Zukunft annimmt#

Jede Zahl im Ergebnis hängt an deinen Annahmen. Es sind Vorschläge, keine festgeschriebenen Werte — alle können und sollen auf Basis deiner eigenen Einschätzung angepasst werden.

Allgemeine Annahmen#

Kapitalmarkt und Steuern — Werte, die für jeden Plan gleich gelten, nicht für dich persönlich.

7 % Rendite pro Jahr#

Dieser Wert orientiert sich an der langfristigen Entwicklung breit gestreuter Aktienmärkte. Der MSCI World erzielte von 1975 bis Ende 2024 auf Eurobasis im Schnitt etwa 9,7 % pro Jahr.1 Der Standardwert liegt bewusst darunter, weil vergangene Renditen keine künftigen sichern und ein zu optimistischer Wert die riskantere Fehlannahme ist. Manche rechnen noch vorsichtiger: Finanztip empfiehlt inzwischen, mit 6 % zu kalkulieren.2 Wenn du sichergehen willst, setze den Wert niedriger an — er ist die wirkungsvollste Stellschraube im ganzen Rechner.

Einzelne Jahre und ganze Jahrzehnte können stark abweichen. In der Finanzkrise verlor der Index binnen 16 Monaten rund 48 %.3

2 % Inflation pro Jahr#

Dieser Wert entspricht dem Ziel, das die Europäische Zentralbank für den Euroraum anstrebt.4 Inflation wirkt doppelt: Sie erhöht deine künftigen Ausgaben und senkt die Kaufkraft deines Vermögens. Historisch lag sie zeitweise deutlich höher — 2022 und 2023 stieg der Verbraucherpreisindex um 6,9 % und 5,9 % gegenüber dem Vorjahr.5

18,46 % Steuersatz auf realisierte Gewinne#

Der Wert setzt sich zusammen aus 25 % Abgeltungsteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag, abzüglich einer Teilfreistellung von 30 %, wie sie für Aktienfonds mit mehr als 50 % Aktienanteil gilt.6

Die Teilfreistellung steckt damit im Steuersatz selbst, nicht in der Rechenlogik. Ebenfalls unberücksichtigt bleiben der Sparerpauschbetrag und die Vorabpauschale — der Pauschbetrag macht die Rechnung leicht vorsichtiger, die Vorabpauschale leicht optimistischer. Je nach persönlicher Situation, etwa bei Günstigerprüfung oder anderer Fondszusammensetzung, kann dein tatsächlicher Satz abweichen. Besteuert wird nur der Gewinnanteil einer Entnahme, nicht der ganze Betrag.

Deine persönlichen Annahmen#

Cashflow, Bestand und deine persönliche Einkommensentwicklung.

3 % Einkommensdynamik pro Jahr#

Wie stark dein Nettoeinkommen künftig steigt. Bei 2 % Inflation entspricht das etwa 1 % realem Zuwachs pro Jahr. Liegt die getippte Dynamik über der getippten Inflation, hast du auf der festen Rendite und auf dem Medianpfad der Risikosimulation real mehr zur Verfügung; liegt sie darunter, sinkt deine Kaufkraft. Auf einem einzelnen simulierten Pfad folgt die Inflation ihrem eigenen Verlauf, die Dynamik nicht. Ein Jahr kann die Sparrate deshalb schrumpfen lassen, auch wenn die getippten Sätze das Gegenteil sagen.

95 Jahre Endalter#

Bis zu welchem Alter dein Vermögen reichen soll. Es gibt hier keinen richtigen Wert; wer sicher planen will, setzt ihn hoch an. Orientierung bieten die Daten des Statistischen Bundesamts zur ferneren Lebenserwartung.7 Beachte dabei: Das ist die durchschnittliche verbleibende Lebenszeit in einem bestimmten Alter — ein erheblicher Teil der Menschen lebt deutlich länger. Im Rechner stellst du das Endalter beim Entnahmemodus ein, weil es nur dort gebraucht wird.

Eine feste Rendite ist eine Vereinfachung#

Bei der festen Rendite nimmt der Rechner an, dass Rendite und Inflation jedes Jahr gleich hoch ausfallen. Tatsächlich schwanken beide, und wann und wie stark, kann das Ergebnis erheblich verändern — besonders bei stark aktienlastigen Portfolios. Die Risikosimulation zieht viele solche Verläufe; wie die Ziehung kalibriert ist, steht im Abschnitt Risikosimulation. Dort gilt nur die feste Entnahmerate. Es bleibt ein Modell, keine Vorhersage einzelner Jahre.

03

So rechnet der Rechner#

Monatliche Rechenschritte, Ansparen, der Umschaltpunkt zu FIRE, das Entnehmen und die Steuer sind beiden Rechenarten gemeinsam. Die feste Rendite setzt in jedem Monat denselben Satz ein. Die Risikosimulation ersetzt Rendite und Inflation durch viele gemeinsame Ziehungen.

Monat für Monat#

Der Rechner geht in Monatsschritten vor, nicht in Jahresschritten. Das ist genauer, weil du auch monatlich sparst und später monatlich entnimmst. Die Rendite des Monats wird zuerst angewendet, Sparrate oder Entnahme danach. Bei der festen Rendite wird der Jahressatz auf eine konstante Monatsrate umgerechnet: (1 + Satz) hoch 1/12, minus 1. Dasselbe gilt für die Inflation. In der Risikosimulation ist das die Rate des Medianpfads. Die einzelnen Monate sind lognormal und streuen darum.

Risikosimulation#

Die Schwankende Rendite ist keine zweite Entnahmeart. Sie ist die Risikosimulation: dieselben Lebensdaten, aber 4.000 ganze Lebenspfade statt eines festen Verlaufs. Dieselbe Zufallsfolge, der Seed, gehört zum Szenario und bleibt, wenn du andere Eingaben änderst. Während ein Regler sich bewegt, zeichnet die Seite zuerst die ersten 500 Pfade dieser Folge und füllt danach auf 4.000 auf. Das Zwischenbild ist ein Präfix, kein anderes Modell. Historische Börsenjahre werden nicht abgespielt.

Lognormale Monate#

Jeder Monat bekommt eine eigene Rendite und eine eigene Inflation. Beide sind lognormal. Der Rechner zieht dafür zwei unabhängige Standardnormalverteilungen und setzt sie in den Logarithmus ein. Die einfache Monatsrendite ist e hoch (Monatsmittel plus Monatsvolatilität mal der ersten Zufallszahl), minus eins. Der Brutto-Inflationsfaktor ist e hoch (sein Monatsmittel plus seine Monatsvolatilität mal der gekoppelten Zufallszahl). Ein Monat kann deflationär sein; der Faktor bleibt positiv. Die Schocks sind monatlich und von Monat zu Monat unabhängig. Ein Jahr ist das Produkt von zwölf Monaten, kein einzelner Jahreswurf. Ist eine Volatilität null, bleibt diese Reihe die konstante Monatsrate (1 + Satz) hoch 1/12, minus 1. Sind beide null, ist jeder Monat diese Konstante.

Getippte Rate und Volatilität#

Die eingegebene Rendite und die eingegebene Inflation sind die Wachstumsraten des Medianpfads, also des Pfads ohne Zufallsschock. Sie sind nicht der Erwartungswert der einfachen Jahresrendite. Der Logarithmus-Mittelwert eines Jahres ist der natürliche Logarithmus von eins plus dem getippten Satz. Davon wird nicht die halbe quadrierte Volatilität abgezogen. Ein Zwölftel dieses Logarithmus ist der Monatsmittelwert. Die eingegebene Volatilität ist die annualisierte Log-Volatilität, nicht die Standardabweichung der einfachen Jahresrendite. Im Monat wird sie durch die Wurzel aus 12 geteilt. Sie verschiebt den Median nicht. Sie skaliert nur den Schock.

Der Pfad ohne Schock wächst deshalb genau mit der getippten Rendite, die Preise genau mit der getippten Inflation. Dieselbe Monatsrate hat der Pfad, wenn beide Volatilitäten null sind. Der Erwartungswert der einfachen Jahresgröße liegt darüber, weil eine Lognormalverteilung schief ist: e hoch (ln(1 + Satz) + halbe quadrierte Volatilität), minus eins. Bei 7 % Rendite und 15 % Volatilität sind das rund 8,21 %. Bei 2 % Inflation und 1 % Inflationsvolatilität rund 2,005 %.

Korrelation#

Rendite und Inflation eines Monats werden gemeinsam gezogen. Die eingegebene Korrelation ist die Korrelation der einfachen Jahresergebnisse, nicht die der Logarithmen. Daraus entsteht die Log-Korrelation: natürlicher Logarithmus von eins plus getippter Korrelation mal einem Skalierungsfaktor, geteilt durch das Produkt der beiden Jahres-Log-Volatilitäten. Der Skalierungsfaktor ist die Wurzel aus dem Produkt von (e hoch Volatilität zum Quadrat, minus eins) beider Reihen. Die Kopplung ist die Cholesky-Zerlegung der 2×2-Korrelationsmatrix. Die Rendite hängt nur an der ersten Zufallszahl. Die Inflation hängt an beiden: Log-Korrelation mal die erste, plus die Wurzel aus eins minus dem Quadrat dieser Log-Korrelation, mal die zweite.

Nicht jede Zahl zwischen −1 und +1 ist erreichbar. Sind beide Volatilitäten null, wird jede Korrelation in diesem Intervall gespeichert und bei der Ziehung ignoriert. Ist genau eine Volatilität null, ist nur die Korrelation 0 möglich. Sind beide positiv, muss die Korrelation zwischen (e hoch minus dem Produkt der Volatilitäten, minus eins), geteilt durch den Skalierungsfaktor, und (e hoch das Produkt, minus eins), geteilt durch denselben Faktor, liegen. Bei gleichen Volatilitäten ist +1 erreichbar, −1 in der Regel nicht. Bei verschiedenen Volatilitäten liegt die Spanne enger als ±1. Eine unerreichbare Korrelation weist der Rechner ab.

Inflation und Einkommen#

Die Ausgaben eines Pfads wachsen mit der Inflation dieses Pfads, Monat für Monat, auch im gebrochenen FIRE-Monat. Die Einkommensdynamik bleibt der getippte nominale Satz. Vor FIRE wird nur ein positiver Überschuss eingezahlt. Ein Fehlbetrag vor FIRE verkauft nichts. Nach FIRE führt der Spar-Chart dasselbe Residual weiter; ein Fehlbetrag wird dann aus dem Depot verkauft. Der echte Entnahmeverlauf entnimmt ab FIRE nur die inflationsindexierten Ausgaben, nicht dieses Residual.

Bänder, typisches Alter, Referenzpfad#

Die Mittellinie beider Charts ist kein einzelner Pfad. In jedem Jahr ist sie das 50-%-Perzentil des Querschnitts; im nächsten Jahr kann ein anderer Pfad der Median sein. Das innere Band ist immer 25 % / 75 %. Das äußere Band ist 5 % / 95 %, oder 2,5 % / 97,5 %, wenn du das wählst. Sortiert der Rechner die Werte, nimmt er den kleinsten, bei dem der genannte Anteil der Pfade auf diesem Wert oder darunter liegt. Bei gerader Anzahl mittelt er die beiden mittleren nicht. Der Spar-Chart sortiert alle 4.000 Pfade. Der Entnahme-Chart sortiert den echten Verlauf, nach einem Ruin mit Kapital 0, für höchstens 300 Pfade, deren FIRE-Alter dem gewählten Durchgangsalter am nächsten liegt.

Typisch als FIRE-Alter ist das Alter, bis zu dem die Hälfte aller Pfade FIRE erreicht hat. Pfade ohne FIRE bleiben im Nenner. Erreicht weniger als die Hälfte FIRE, gibt es dieses Alter nicht. Es ist nicht der Median nur unter den Pfaden mit FIRE und nicht das FIRE-Datum der Referenzlinie. Früh und Spät sind die Durchgangsalter des äußeren Bands, mit derselben Regel. Die Überlebensquote ist der Anteil der Pfade mit FIRE, der am Endalter noch zahlt. Pfade ohne FIRE stehen in dieser Quote nicht. Die Ruin-Quote ist ihr Komplement.

Die Referenz-FIRE-Zahl ist ein einzelner fester Pfad. Beide Volatilitäten und die Korrelation werden auf null gesetzt, dann läuft derselbe Monatsrechner wie bei der festen Rendite. Weil der Median-Schock dieselbe Monatsrate hat, wächst dieser Pfad mit der getippten Rendite und der getippten Inflation. Wo das 50-%-Perzentil diese Linie kreuzt, ist nicht Typisch.

FIRE als Bruchteil eines Monats#

Auf jedem Pfad ist FIRE der früheste Zeitpunkt, an dem der getippte Brutto-Anteil des Kapitals nach Steuer die Ausgaben dieses Pfads deckt. Der Zeitpunkt kann mitten im Monat liegen. Sobald das Monatsende deckt, sucht der Rechner den frühesten Bruchteil durch Halbierung in 48 Schritten. Rendite und Einzahlung dieses Monats zählen anteilig. Danach werden nur die inflationsindexierten Ausgaben entnommen. Ein Ruin vor dem Endalter ist ein Ergebnis, kein späteres FIRE. Eine Deckung, die sich erst im letzten Monat des Horizonts öffnet, zählt nicht als FIRE. Die Risikosimulation kennt nur die feste Entnahmerate.

Die Ansparphase#

Du gibst dein heutiges Nettoeinkommen und deine monatliche Sparrate an. Die Differenz sind deine Ausgaben — der Rechner leitet sie ab, statt sie separat abzufragen.

Über die Jahre steigt dein Einkommen mit der Einkommensdynamik. Deine Ausgaben steigen automatisch mit der Inflation, sodass dein Lebensstandard real gleich bleibt. Alles, was darüber hinaus übrig bleibt, erhöht ausschließlich deine Sparrate. Liegt die Einkommensdynamik über der Inflation, wird also angenommen, dass du deinen Lebensstil konstant hältst und alle Mehreinnahmen oberhalb der Inflation sparst. Steigt dein Einkommen langsamer als die Inflation, schrumpft die Sparrate entsprechend — auch das rechnet der Rechner mit. In der Risikosimulation wachsen die Ausgaben mit der Inflation des jeweiligen Pfads. Die Einkommensdynamik bleibt der getippte Satz und folgt diesem Pfad nicht. Der Vergleich der beiden Sätze gilt für den Medianpfad, nicht für jedes Jahr eines einzelnen Pfads.

Der Umschaltpunkt#

Sobald dein Vermögen unter dem gewählten Entnahmemodus deine Ausgaben tragen kann, ist der FIRE-Zeitpunkt erreicht. Er kann mitten in einem Monat liegen. Ab diesem Moment endet das Sparen und die Entnahme beginnt.

Wie groß „groß genug“ ist, hängt vom gewählten Entnahmemodus ab. Das Kapitalziel ist keine feste Zahl: Wer später aussteigt, muss weniger Jahre überbrücken — das senkt das benötigte Vermögen. Die Inflation wirkt über die Jahre in die andere Richtung und erhöht es. Welcher Effekt überwiegt, hängt von deinen Annahmen ab.

Die Entnahmephase#

Deine Ausgaben laufen weiter und steigen weiter mit der Inflation. Um sie zu decken, verkaufst du Anteile — ab hier kommt die Steuer ins Spiel.

Steuern: nur auf den Gewinn#

Wenn du Anteile verkaufst, wird nicht der gesamte Verkaufserlös besteuert, sondern nur der Gewinnanteil: die Differenz zwischen dem, was du eingezahlt hast, und dem, was die Anteile heute wert sind.

Das bedeutet: Um netto 2.000 € zur Verfügung zu haben, musst du brutto mehr verkaufen. Wie viel mehr, hängt davon ab, wie viel Gewinn in den verkauften Anteilen steckt.

Die Reihenfolge ist entscheidend.#

Verkauft werden immer die ältesten Anteile zuerst (First In, First Out). Diese Anteile haben am längsten gearbeitet und enthalten deshalb — bei Annahme einer festen Rendite — den größten Gewinnanteil und damit die höchste Steuerlast. Der Steueranteil deiner Entnahmen ist also am Anfang am höchsten und sinkt mit der Zeit. In der Risikosimulation werden ebenfalls die ältesten Anteile zuerst verkauft. Der größte Gewinn muss dann nicht im ältesten Posten stecken, weil einzelne Monate auch fallen können.

Dein bisheriges Depot zählt als eine Tranche.#

Du gibst dein heutiges Depot als eine Summe an, aufgeteilt in Einzahlungen und unrealisierten Gewinn. Der Rechner behandelt das als einen einzigen, ältesten Posten und verkauft ihn deshalb zuerst.

In Wirklichkeit ist der Bestand meist in mehreren Käufen entstanden, jeder mit eigenem Kaufkurs und eigenem Gewinnanteil. Diese Struktur kennt der Rechner nicht. Solange dein bisheriges Depot klein ist gegenüber dem, was du noch ansparst, fällt das kaum ins Gewicht. Bei einem großen bestehenden Depot kann die tatsächliche Steuerlast in den ersten Entnahmejahren spürbar abweichen. Genauer ginge es nur mit den echten Kaufdaten deiner Anteile.

Ein ungestörter Bestand wird vorausgesetzt.#

Die Rechnung nimmt an, dass deine Anlage über den gesamten Zeitraum unangetastet bleibt: keine Fondsverschmelzung, keine Auflösung, kein vorzeitiger Verkauf oder Wechsel. In der Praxis kann jedes davon Gewinne realisieren und Steuern auslösen, bevor du überhaupt entnimmst. Das verschiebt damit die Verkaufsreihenfolge für alles Weitere.

Heutige oder künftige Euro: real oder nominal#

Gerechnet wird in künftigen Euro (nominal) — also in den Beträgen, die tatsächlich auf dem Konto stehen werden. Weil Inflation jedoch die Kaufkraft senkt, sagt dieser Betrag wenig darüber aus, was du dir in dreißig Jahren davon leisten kannst.

Deshalb lässt sich die Darstellung im Diagramm umschalten: Die reale Ansicht rechnet alle Beträge auf heutige Kaufkraft zurück und zeigt, was dein Vermögen in heutigem Geld wert wäre.

In der Risikosimulation teilt die reale Ansicht jeden Pfad durch den Preisindex dieses Pfads am Jahresende. Die Referenzlinie nutzt den konstanten Index aus der getippten Inflation, (1 + Inflation) hoch Anzahl der Jahre. Das nominale und das reale Perzentil eines Jahres können verschiedene Pfade sein.

04

Die Entnahmemodi#

Bevor der Rechner sagen kann, wie viel Vermögen du brauchst, muss klar sein, was mit diesem Vermögen passieren soll. Soll es für immer erhalten bleiben? Oder darfst du es bis zu einem bestimmten Alter aufbrauchen? Beides sind sinnvolle Pläne, aber sie führen zu sehr unterschiedlichen Zahlen. Die Anwendung bietet drei Modi.

In allen Modi entnimmst du dieselben inflationsangepassten Ausgaben — die Modi unterscheiden sich darin, wie viel Kapital du dafür brauchst. Diese drei Modi gelten für die feste Rendite. Die Risikosimulation rechnet nur die feste Entnahmerate und weist ewige Entnahme und Kapitalverzehr ab.

Modus 1

Ewige Entnahme#

Dein Vermögen bleibt real erhalten. Die erste Entnahme ist der kleinere Wert aus realer Rendite und deiner Obergrenze, als Bruttoanteil des FIRE-Kapitals. Danach entnimmst du nur die inflationsangepassten Ausgaben. FIRE gilt, wenn diese erste Entnahme die Ausgaben deckt und das reale Kapital bis zum Planungshorizont mindestens den FIRE-Stand hält.

Auch hier steigt dein Entnahmebetrag jedes Jahr mit der Inflation, sodass deine Kaufkraft gleich bleibt. Der Unterschied zur festen Entnahmerate: Die Rate bestimmst du hier nicht selbst. Der Rechner leitet sie aus deiner realen Rendite ab, denn nur ein bestimmter Anteil lässt sich entnehmen, ohne die Substanz anzugreifen.

Weil nichts aufgebraucht wird, ist kein Endalter nötig. Da dein Kapital vollständig erhalten bleibt, verlangt dieser Modus tendenziell ein größeres Vermögen und damit einen späteren Ausstieg.

Die Obergrenze für die Entnahmerate#

Rechnerisch könntest du genau die reale Rendite entnehmen. In der Praxis wäre das zu optimistisch, weil Märkte schwanken und schlechte Jahre in der frühen Entnahmephase dein Vermögen besonders schädigen. Deshalb kannst du eine Obergrenze setzen. Häufig werden 4 % oder weniger verwendet, etwa in der bekannten 4-Prozent-Regel8. Der Rechner rechnet Rendite, Inflation und Obergrenze jeweils in Monatsraten um. Die entnehmbare reale Rendite ist die Monatsrendite minus der Monatsinflation; davon und von deiner Obergrenze nimmt er den niedrigeren Wert.

Modus 2

Kapitalverzehr#

Dein Vermögen wird planmäßig bis zu einem Restbetrag — oder vollständig — aufgebraucht. Du legst fest, bis zu welchem Alter es reichen soll, und der Rechner verteilt es über diesen Zeitraum.

Das verlangt weniger Vermögen als die ewige Entnahme und ermöglicht einen früheren Ausstieg. Der Preis: Der Plan hat ein Ablaufdatum. Lebst du länger als geplant, ist nichts mehr da.

Restkapital zum Endalter#

Du musst nicht alles aufbrauchen. Wenn ein Betrag übrig bleiben soll, etwa als Puffer für ein langes Leben oder als Erbe, trägst du ihn hier ein. Der Rechner sorgt dann dafür, dass am Endalter mindestens diese Summe vorhanden ist. Bleibt das Feld leer, wird das Vermögen vollständig verplant.

Modus 3

Feste Entnahmerate#

Du legst selbst fest, welchen Brutto-Anteil deines Vermögens die erste Entnahmeperiode verlassen darf, z. B. 4 %. FIRE ist der Zeitpunkt, an dem dieser Betrag nach Steuer deine Ausgaben deckt. Danach entnimmst du nur noch die inflationsangepassten Ausgaben — dieselbe Entnahmepolitik wie in den anderen Modi. Die Rate ist die FIRE-Schwelle, kein zweiter Ausgabenplan.

Der Unterschied zur ewigen Entnahme: Dort begrenzt der Rechner die erste Entnahme so, dass dein Vermögen real erhalten bleibt. Hier gibst du die Schwelle vor, und der Rechner zeigt dir, was daraus folgt.

Eine höhere Rate wechselt früher bei kleinerem Kapital. Derselbe Ausgabenstrom kann das Depot vor dem Endalter leeren — das ist dann ein ausgewiesener Ruin-Zeitpunkt, kein späteres FIRE.

Welcher Modus passt?#

Es gibt keine richtige Antwort — die Modi erlauben dir, verschiedene Lebenspläne und Ziele modellhaft abzubilden. Am aufschlussreichsten ist es, alle drei auszuprobieren. Finde selbst heraus, wie sie sich auf dein FIRE-Alter, den notwendigen Kapitalstock und den Entnahmeverlauf auswirken.

In den meisten Fällen hat die ewige Entnahme den längsten Sparzeitraum. Der Kapitalverzehr erreicht FIRE als erstes, verlangt aber eine Annahme über die eigene Lebenserwartung und hat ohne Restkapital den geringsten Puffer. Die feste Entnahmerate lässt dich die Schwelle für die erste Entnahme setzen; was danach vom Depot übrig bleibt, ist Ergebnis, kein Ziel.

Kurz gefasst: Die ewige Entnahme erhält dein Kapital real und verlangt dafür das meiste Vermögen. Die feste Entnahmerate wechselt bei hoher Rate früher in die Entnahme und nimmt in Kauf, dass dies zu einer Pleite des Depots führen kann. Der Kapitalverzehr plant das Schrumpfen von vornherein ein. Alles unter den Annahmen, die du eingestellt hast.

05

Begriffe#

Alle Fachbegriffe des Rechners in alphabetischer Reihenfolge — jeder Eintrag ist einzeln verlinkbar.

Ausgaben#
Betrag, den du monatlich verbrauchst. Der Rechner leitet ihn ab: Nettoeinkommen minus Sparrate. In der Entnahmephase steigt er weiter mit der Inflation.
Depot#
Dein bestehendes Vermögen zu Beginn der Rechnung. Du gibst es getrennt nach Einzahlungen und unrealisiertem Gewinn an, weil nur der Gewinn später besteuert wird.
Depotwert heute#
Die Summe aus Einzahlungen und unrealisiertem Gewinn.
Einkommensdynamik#
Wie stark dein Nettoeinkommen jährlich steigt. Liegt sie über der Inflation, wächst deine Sparrate von selbst, weil die Ausgaben nur um die Inflation angepasst werden. Liegt sie darunter, schrumpft die Sparrate. In der Risikosimulation gilt das für die getippten Sätze. Die Inflation eines einzelnen Pfads kann davon abweichen.
Einzahlungen#
Was du insgesamt in dein Depot eingezahlt hast — die Kostenbasis. Nur der Wertzuwachs darüber hinaus wird beim Verkauf besteuert.
Endalter#
Bis zu welchem Alter dein Vermögen reichen soll. Wird beim Kapitalverzehr und bei der festen Entnahmerate gebraucht. Wer sicher planen will, setzt ihn hoch an; die Daten des Statistischen Bundesamts zur Lebenserwartung können dabei helfen.
Entnahmerate#
Der Brutto-Anteil deines Vermögens in der ersten Entnahmeperiode. Bei der festen Entnahmerate gibst du ihn vor; er ist die FIRE-Schwelle, nicht der laufende Entnahmebetrag. Je höher der prozentuale Anteil ist, desto weniger Kapital brauchst du zum Wechsel — und desto stärker wird es beansprucht.
Ewige Entnahme#
Entnahmemodus, bei dem dein Vermögen real erhalten bleibt. Die erste Entnahme ist der Bruttoanteil min(reale Rendite, Obergrenze); danach nur inflationsindexierte Ausgaben.
Feste Entnahmerate#
Entnahmemodus, bei dem du die Brutto-Rate der ersten Entnahmeperiode selbst vorgibst. FIRE ist die Deckungskreuzung; danach nur inflationsindexierte Ausgaben. Ein späterer Ruin ist Ergebnis, kein späteres FIRE.
FIRE#
Financial Independence, Retire Early. Der Zeitpunkt, ab dem dein Vermögen deine Ausgaben trägt, ohne dass du arbeiten musst.
Gewinnanteil#
Der Teil deines Depots, der über deine Einzahlungen hinausgeht. Der Rechner zeigt ihn als Prozentsatz des Depotwerts an. Je höher er ist, desto mehr Steuer fällt bei einer Entnahme an.
Kapitalstock#
Das Vermögen, das du zum FIRE-Zeitpunkt erreicht hast.
Kapitalverzehr#
Entnahmemodus, bei dem dein Vermögen planmäßig bis zum Endalter aufgebraucht wird.
Korrelation#
Wie stark die einfache Jahresrendite und die einfache Jahresinflation sich gemeinsam bewegen. In der Risikosimulation ist das nicht die Korrelation der Logarithmen. Daraus rechnet der Rechner die Log-Korrelation und koppelt die beiden Zufallszahlen mit einer Cholesky-Zerlegung. Nicht jede Zahl zwischen −1 und +1 ist mit den beiden Volatilitäten erreichbar.
Kostenbasis#
Der Betrag, den du für deine Anteile eingezahlt hast. Die Differenz zum heutigen Wert ist der unrealisierte Gewinn.
Medianpfad#
Der Pfad ohne Zufallsschock. Seine Rendite und seine Preise wachsen mit den getippten Jahressätzen. Das ist nicht der Erwartungswert eines Jahres und nicht die Mittellinie der Charts.
Nominal#
Beträge so, wie sie künftig auf dem Konto stehen werden, ohne Berücksichtigung der Kaufkraft. Gegenteil: real.
Obergrenze für die Entnahmerate#
Deckelt die Bruttoentnahme der ersten Periode bei der ewigen Entnahme. Der Rechner vergleicht die Monats-Obergrenze mit der Monatsrendite minus Monatsinflation und nimmt den niedrigeren Wert.
Perzentil#
Ein Anteil der sortierten Pfade eines Jahres. 50 % ist die Mittellinie, 25 % / 75 % das innere Band, 5 % / 95 % oder 2,5 % / 97,5 % das äußere. Im nächsten Jahr kann ein anderer Pfad auf demselben Perzentil liegen.
Real#
Beträge umgerechnet auf heutige Kaufkraft. Eine Million in dreißig Jahren ist real deutlich weniger wert als heute. In der Risikosimulation wird jeder Pfad durch seinen eigenen Preisindex geteilt.
Reale Rendite#
Bei der festen Rendite und in der ewigen Entnahme die nominale Rendite abzüglich Inflation. Im Monatsschritt rechnet der Rechner beide Jahresraten zuerst in Monatsraten um und zieht erst dann die Monatsinflation von der Monatsrendite ab. Die Risikosimulation bildet die Kaufkraft über den Preisindex des Pfads, nicht über diese Differenz.
Referenz-FIRE-Zahl#
FIRE-Zahl eines einzelnen Pfads mit beiden Volatilitäten und der Korrelation auf null. Er wächst mit den getippten Sätzen. Seine Kreuzung mit dem 50-%-Perzentil ist nicht das typische FIRE-Alter.
Restkapital#
Der Betrag, der beim Kapitalverzehr am Endalter noch übrig sein soll, z. B. als Puffer für ein langes Leben oder als Erbe.
Risikosimulation#
Die Rechenart mit 4.000 lognormalen Lebenspfaden. Auf dem Bildschirm heißt sie Schwankende Rendite. Sie kennt nur die feste Entnahmerate. Die getippte Rate ist die Wachstumsrate des Medianpfads.
Sparquote#
Der Anteil deines Nettoeinkommens, den du sparst. Gilt für das erste Jahr. Der Rechner zeigt sie an; eingeben musst du sie nicht.
Sparrate#
Der Betrag, den du monatlich zurücklegst.
Tranche#
Ein einzelner Kauf von Anteilen mit eigenem Kaufkurs. Beim Verkauf werden die ältesten Tranchen zuerst aufgelöst — sie enthalten den größten Gewinnanteil und damit die höchste Steuer.
Überlebensquote#
Unter den Pfaden mit FIRE der Anteil, der am Endalter noch zahlt. Pfade ohne FIRE stehen in dieser Quote nicht.
Unrealisierter Gewinn#
Der Wertzuwachs deines Depots, den du noch nicht durch einen Verkauf realisiert hast. Beim Verkauf fällt darauf Steuer an.
Verkaufsreihenfolge#
Die Regel, in welcher Reihenfolge Anteile verkauft werden. Hier gilt: älteste zuerst (englisch: First In, First Out, kurz FIFO).
Volatilität#
Annualisierte Log-Volatilität der Rendite oder der Inflation. Sie skaliert den monatlichen Zufallsschock und verschiebt den Medianpfad nicht. Geteilt durch die Wurzel aus 12 ist sie die Monatsvolatilität.
4-Prozent-Regel#
Verbreitete Faustregel, nach der sich rund 4 % des Vermögens jährlich entnehmen lassen. Sie stammt aus US-amerikanischen Untersuchungen und berücksichtigt weder deutsche Steuern noch deine persönliche Situation.

06

Quellen#

Die Belege zu den genannten Zahlen, fortlaufend über die gesamte Seite numeriert.

  1. 1Finanztip: MSCI World — historische Rendite. finanztip.de/indexfonds-etf/msci-world/ (abgerufen am 10.09.2026)
  2. 2Finanztip: Nur noch 6 % ETF-Rendite — warum du vorsichtiger rechnen solltest. finanztip.de/daily/nur-noch-6-etf-rendite-warum-du-vorsichtiger-rechnen-solltest/ (abgerufen am 10.09.2026)
  3. 3Finanztip: MSCI World im Minus — diese Einbrüche waren viel schlimmer. finanztip.de/daily/msci-world-im-minus-diese-einbrueche-waren-viel-schlimmer/ (abgerufen am 10.09.2026)
  4. 4Europäische Zentralbank: Geldpolitik. ecb.europa.eu/ecb/orga/tasks/monpol/html/index.de.html (abgerufen am 10.09.2026)
  5. 5Statistisches Bundesamt: Verbraucherpreisindex. genesis.destatis.de/datenbank/online/statistic/61111/table/61111-0001 (abgerufen am 10.09.2026)
  6. 6Finanztip: Investmentsteuerreformgesetz. finanztip.de/indexfonds-etf/investmentsteuerreformgesetz/ (abgerufen am 10.09.2026)
  7. 7Statistisches Bundesamt: Sterbefälle und Lebenserwartung. destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/ (abgerufen am 10.09.2026)
  8. 8Mr. Money Mustache: How Much Do I Need for Retirement? mrmoneymustache.com/2012/05/29/how-much-do-i-need-for-retirement/ (abgerufen am 10.09.2026)

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